Heute Vormittag war ich in der Frankfurter Innenstadt, um etwas Bürozubehör zu besorgen. Wenn ich nicht in die Stadt laufe oder mit dem Bike fahre, parke ich mit dem Auto üblicherweise im (neuen) Parkhaus Goetheplatz (Zufahrt über die Junghofstraße, Grüße ans "Omen", ach waren das Zeiten...). Die deutschen Herdentiere fahren in der Regel in U1 drei bis fünf mal im Kreis, um einen Parkplatz nahe am vorderen Ausgang zu erwischen - eben da wo alle gerne parken, um ja keinen Schritt zu viel zu tun. Ist dort nichts zu machen, fährt man mit dem SUV oder stylishen Mini in U2, aber auch hier das selbe Spiel. U3 wird kategorisch gemieden, vor allem die vermeintlich weiter hinten gelegen Plätze. Im hinteren Teil, der in Wahrheit aber gar kein hinterer Teil ist, sondern über einen eigenen Ausgang zur Fressgass' und zur Hauptwache/Zeil verfügt, parken dann so intelligente ( :-) ) Leute wie ich, da hier selbst an Samstagen in der Vorweihnachtszeit immer was frei ist. Und die eine Treppe mehr macht auch nichts - ist gut für die Figur.

Jedenfalls führte mich mein Weg auch in die Zeilgalerie. Ich mag das Gebäude irgendwie, vor allem vom Publikum her irgendwie ein ehrliches und typisches Stück Frankfurt. Samstag Nachmittags setze ich mich manchmal in die kleine Espressobar in Ebene 3 und lasse die schlendernden Leute an mir vorbei ziehen und mache mir so meine Gedanken. Heute fiel mir in einer fast leeren Zeilgalerie (in MyZeil war auch relativ wenig los) erstmalig bewusst auf, was dort für ein Geschäfteschwund herrscht. Schätzungsweise ein knappes Drittel der Geschäfte in der ehemals lebendigen Zeilgalerie stehen bereits leer (auf jeden Fall ein gutes Drittel mit den Läden, die bereits groß "Räumungsverkauf" oder "Wir schließen" an den Türen stehen haben) - ein wirklich tristes Bild. Es waren immer schon teilweise billige Ramschläden vorhanden, diese reihten sich aber an trendige Klamottenläden oder witzige Geschäfte mit originellen Geschenkideen. Übrig geblieben sind fast nur noch die Läden mit billigem Modeschmuck für kleine (große) Frankfurter Mädchen aus Griesheim oder Ginnheim und einige große Ketten. Der typische Geruch des Seife-Ladens weht einem so gut wie gar nicht mehr entgegen, wenn man das "alte Schiff" betritt, der Geruch, der immer irgendwie genervt aber zur Zeilgalerie einfach dazu gehört hat.

Soweit ich weiß, soll das Gebäude, das sicherlich auch unter dem benachbarten "MyZeil" leidet und irgendwie schon immer ein Problemkind war, demnächst von Grund auf modernisiert werden und wie mir der Mann in der Espressobar in Ebene 3 irgendwann steckte, möchte man seitens der Verwaltung während der Bauarbeiten die Miete nicht senken. (M)eine Theorie ist, dass man vermutlich alle Geschäfte raus haben möchte, um nach dem Umbau neu und vor allem mit neuen Mietpreisen anfangen zu können.

Die gute alte Zeilgalerie - wenn das ihr Vater, Utz Jürgen Schneider aus Königstein, mitkriegen würde, er würde sich im.... achneeeeee, der lebt ja zum Glück noch und weilt in Freiheit.

Viele mögen die Zeilgalerie nicht besonders, ich mag sie sehr. Sie hat einen besonderen Charme und ich erinnere mich unter anderem gerne an unzählige Abende im Gagos, ganz oben, mit Blick über Frankfurt. Und was sehe ich, wenn ich die Website vom Gagos aufrufe? "It's time to say Goodbye - closing Party im Gagos am 09.01.2010". Danke Zeilgalerie - das war's dann wohl bald - hoffen wir auf eine Wiederauferstehung!

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